Themen und Linksammlungen zum Thema Kinderarmut

von Sven Sprenger

Wir schreiben das Jahr 2017. Wir sind in Deutschland. Es ist Anfang Februar. Es ist sehr kalt in unserem Land.

Alleinerziehende fühlen sich wiederholt zu wenig unterstützt. Die realen Einkommen in den Betroffenen Familien sind immer noch zu niedrig. Wo ist die Gesellschaft angekommen, wenn eine bekannte Autorin der „Zeit“ nach 10 Jahren wiederkehrernder Berichterstattung mittlerweile nur noch von billiger Heuchelei schreibt?
(Artikel auf Zeit-Online vom 19. Januar 2017: http://www.zeit.de/2017/02/kinderarmut-deutschland-eltern-chancen-sozialpolitik )

Kinderreport 2017 des Deutschen Kinderhilfswerkes veröffentlicht

Im Februar 2017 wurde der Kinderreport 2017 veröffentlicht. Schaut man sich die Ergebnisse der Meinungsumfragen aus diesem Report an, wurden in den letzten Jahren bzgl. des Themas Kinderarmut keine sichtbaren Fortschritte erzielt. Zumindest kommen diese in der Wahrnehmung der Bevölkerung so nicht an.
Nach dem/der „gefühlt“ 1000stem Report bzw. Studie über Kinderarmut und Armut in Deutschland müssen die Ursachen und Maßnahmen doch nun endlich mal gefunden und definiert sein. Warum schafft man es in Deutschland einfach nicht, das Problem für die Betroffenen in den Griff zu bekommen? Jahrelang wird darum gekämpft und gestritten, welche Maßnahme die Beste und Günstigste wäre. Im gleichen Atemzug darf auch der Besserverdienende nicht bevorteilt werden – mit diesen Argumenten dreht sich die Diskussion immer wieder im Kreis. Es werden Statistiken bemüht, um relative und absolute Armut zu definieren, Einkommensobergrenzen diskutiert. Verteilt man Gelder besser mit der Gießkanne oder nach Bedarf?
Sieht man sich wieder aktuelle Studien an, verbessert sich aber nichts. Wurde wieder nur viel Zeit zur Diskussion anstatt Handeln verschwendet?

Kindergeld und Kinderfreibetrag – ein ewiges Hin- und Her

2017 erhöht sich das Kindergeld – um 2 Euro. Der Kinderfreibetrag hingegen steigt um 108 Euro, teilte das Bundesfinanzministerium in einer Pressemitteilung mit. (Erläuterung zu Kinderfreibetrag und Kindergeld auf der Webseite des „Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.“) Anno 2018 werden noch mal 2 Euro mehr Kindergeld ausgeschüttet – immerhin pro Kind! Warum werden immer noch Gelder abhängig von der Anzahl der Kinder bezahlt? Was macht das 4. Kind teurer, als das 3. oder 2. Kind? Warum wird man als Besserverdienender durch den Kinderfreibetrag steuerlich besser gestellt, als durch das Kindergeld bei geringeren Einkommen? Warum wird nicht jedes Kind steuerlich gleichwertig gut bewertet? Immerhin würde der Staat auf das Geld verzichten können, wenn alle Menschen gleich gut verdienen würden. Warum also nicht gleich für alle Kinder ein gleich hohes Kindergeld auszahlen bzw. steuerlich vergünstigen? Abgesehen von der gefühlten Gerechtigkeit wäre die steuerliche Berechnung auch viel einfacher. Über welche Klippe muss man als Gesetzgeber springen, um dies umzusetzen?
Im Jahr 2013 zieht das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus einer Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen das Fazit „Kindergeld stabilisiert Familien“.

Dauerdiskussionen und Studien zum Thema Kinderarmut als Alibifunktion für Politiker?

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich verantwortliche Politiker mit Hilfe von Diskussionen und Studien nur noch mit dem Thema Kinderarmut beschäftigen, anstatt aufgezeigte Problemlösungen endlich einmal umzusetzen. Sicherlich ist es angebracht, durch Evaluation den Stand von Maßnahmen zu prüfen, wie z.B. im Jahr 2014 durch das BMfFSFJ geschehen. Es ist allerdings auch noch einmal kritisch zu prüfen bzw. zu hinterfragen, welche Maßnahmen und Ergebnisse auf Grundlage dieser sehr umfangreichen Evaluation folgten und umgesetzt wurden.

Nun sind es nicht alleine die Politiker, die an der Verbesserung der Situation der betroffenen Arbeiten müssen. Vielmehr muss die gesamte Gesellschaft daran mitwirken. Die Aufgabe und Pflicht der gewählten Politiker der regierenden Parteien aber ist es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Situation der Betroffenen zu schaffen. Dabei dürfen auch gerne einmal scheinbar unpopuläre Gesetze oder Verordnungen zugunsten der Betroffenen beschlossen und „ausprobiert“ werden. Stellen sich diese nach ein paar Jahren als Falsch heraus, kann man diese am Ende immer noch korrigieren. Ich wünsche mir in Sachen Armutsbekämpfung eine genauso konsequente und schnelle Entschiedung, wie damals bei den Abstimmungen zur Bankenrettung und den Euro-Rettungsschirmen.

Eine Aufgabe aller in dieser Gesellschaft ist es, die Politiker beim Thema Kinderarmut permanent und unablässig vor sich her zu treiben und das Thema immer wieder auf die Agenda zu schreiben. Darüber hinaus ist jede noch so kleine (im)materielle Hilfe für die Betroffenen ein Schritt in die richtige Richtung. Hilfe zur Selbsthilfe ist mehr gefragt, denn je. Dabei tun es auch die kleinen Dinge, wie eine schnelle Hilfe im Haushalt oder ein paar Stunden im Monat auf die Kinder aufzupassen, um z.B. Alleinerziehenden eigene Freiräume zu schaffen.

Wahljahr 2017

So ist es auch 2017 wieder notwendig, sich selbst zu motivieren, durchzuhalten und darum zu kämpfen den Betroffenen Kindern und Eltern eine bessere Zukunft zu gestalten.
Am 24. September 2017 wird ein neuer Bundestag gewählt. Davor gibt es Wahlen in Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Es gilt also in diesem Jahr besonders aufmerksam zu sein, zwischen allgemeinen Phrasen, billigen Wahlversprechen und umgesetzten Taten zu unterscheiden. An letzterem werden sich auch regierende Parteien trotz neuen Kandidaten messen lassen müssen.

Kinderreport 2017, Deutsches Kinderhilfswerk (www.dkhw.de), Meinungsumfrage Ursache Kinderamut 2013-2016, (Hinweis: Alle Rechte für die Grafik und Inhalte der Darstellung liegen beim Herausgeber des Kinderreportes 2017.)